WAS FÜR EIN TAG!
Jetzt einfach nur hinlegen. Egal wo. Und die Augen schließen. Ich bin sooo müde. Mal kurz blinzeln. Ist die Mama auch noch da? Ja, da steht sie. Gut. Augen wieder zu. Die Ohren fallen ganz allmählich wie von selbst zur Seite. Eins nach rechts, eins nach links. Auch wenn der Boden hart ist, hier lässt es sich gut liegen. Das scheint ein Hof zu sein. Da ist ein Haus und eine Terasse. Und Mama? Ah, gut, da ist sie noch. Na, sie wird ja sicher nicht ohne mich weg gehen.
Der Tag war aber auch anstrengend. Heute morgen, nachdem die Mama ihr Futter bekommen hatte, kam die Frau und hat uns aus dem Stall gelassen. Das heißt, sie hat der Mama ein Halfter über den Kopf gezogen. Das kenn ich schon. Daran durfte ich auch bereits schnuppern. Sieht aber schon seltsam aus. Aber der Mama macht es nix aus. Da brauch ich auch keine Angst vor zu haben. Als wir aus dem Stall raus sind, bin ich ganz dicht bei der Mama geblieben. Dann passiert mir auch nichts. Und dann sind wir marschiert. Jesses, war das weit. Und die sind ganz schön schnell gelaufen, die zwei. Da musste ich manchmal ganz schön flott hinterher traben. Aber die Frau hat immer mal nach mir gesehen und aufgepasst, dass ich den Anschluss nicht verpasse. Und die Mama natürlich auch. Das war gut. Dann wurden wir langsamer, denn wir waren offensichtlich am Ziel angelangt.
Ein hellbrauner Holzzaun tauchte vor uns auf. Dahinter eine riesengroße Wiese. Mit großen und kleinen Bäumen und vielen Sorten von Büschen und natürlich mit Gras. Mama frisst das sehr gerne. Ich zuckel doch lieber bei Mama an den Zitzen für die gute Milch. Wir sind dann auf die Wiese drauf und Mama ist sofort losgaloppiert. Herrje, ich hatte alle Mühe, hinterher zu kommen. Ich meine, richtig weg hätte Mama gar nicht gekonnt. Die Weide war zwar riesengroß, aber es war ja rundrum ein Zaun aufgebaut. Trotzdem bin ich doch lieber in der Nähe von meiner Mama. Da fühle ich mich einfach sicherer.
Was mich total gestört hat, waren diese Mücken. Hunderte, Tausende, und noch viel mehr Mücken. Mein Schweif ist leider noch nicht so lang, also hab ich einfach immer versucht, mich unter den Schweif von Mama zu stellen, denn der ist viel länger als meiner. Und sie hat ihn ständig hin und her geschlagen, weil ihr die Mücken auch ganz gewaltig auf die Nerven gegangen sind. Und Mama hat gefressen und ständig mit Kopfschütteln versucht, diese lästigen kleiinen Biester zu vertreiben. Ich sollte noch lernen, dass es im Hochsommer und vor allem in der Nähe von Wasser noch viel schlimmer kommen kann. Aber heute hab ich es schon als arg nervig empfunden nach der Ruhe im Stall. Die paar Mücken, die sich dorthin verirren, sind nicht der Rede wert.
Nachmittags standen meine Mama und ich im Schatten eines wunderschönen großen Baumes, der seine Äste wie ein Dach über uns ausbreitete. Wir haben ein bisschen vor uns hingedöst. Einfach den Kopf ein bisschen hängen lassen und entspannen. Ich hab Durst gekriegt und wollte bei Mama ein bisschen Milch trinken, doch sie hat mich mit ihrem Bein weggedrängt. Aber hallo! Was sollte das denn? Ich hab doch Durst. Nochmal probieren. Doch das Bein von Mama hat sich schon wieder gehoben und gegen mich gezuckt. Bei meinem dritten Versuch ließ sie sich dann erweichen und ich durfte ein bisschen trinken. Dann wollte sie wieder ihre Ruhe haben. Na gut. Dann dösen wir halt noch ein bisschen.
Als wir gerade wieder loszogen, weil Mama wieder ihr Gras fressen wollte, kam die Frau, die immer so lieb zu uns ist. Ich guck Mama an, die hat die Frau auch schon erblickt und zieht langsam los in Richtung Zauntor. Ich tucker hinterher. Ich freu mich schon auf den kühlen Stall mit dem frisch duftenden Stroh in unserer Box. Hach, das wird schön. Die Frau wartete geduldig auf uns. Als wir bei ihr sind, klickt sie bei Mama ein Seil an das Halfter und führt sie in Richtung Stall.
Nachdem wir ein Stück gelaufen sind, bleiben wir im Dorf auf einmal stehen. Ich guck mich um. Wo sind wir denn hier? Wo ist denn der Stall? Ich bin müde, so müde. Ich möchte mich hinlegen und nicht weiter hier rumstehen. Meine Beine werden immer schwerer, mein Kopf auch. Ich kann nicht mehr. (--> Anfang der Geschichte)
© Andrea Seldner
Pferde-Geschichten